Majak – Russland, 1948-heute

Categories: Leseempfehlungen, Stufe 6 - Schwerer Unfall
Written By: Stephan
Majak – Russland, 1948-heute

Die Kerntechnische Anlage Majak (russisch Маяк für Leuchtturm) ist eine kerntechnische Anlage in Russland, in der Oblast Tscheljabinsk bei Osjorsk bzw. Kyschtym. Früher wurde die Anlage als Tscheljabinsk-65 bezeichnet.

Auf dem Gebiet der Fabrik ereigneten sich mehrere Unfälle, bei denen große Mengen an radioaktivem Material freigesetzt wurden, darunter auch der Kyschtym-Unfall im Jahr 1957, die bisher vom Schadensausmaß gravierendste nukleare Havarie, die weit mehr Schaden anrichtete als die Tschernobyl-Katastrophe oder die Ereignisse rund um den Wasserstoffbomben-Test Castle Bravo.

Die sowjetische Planung ließ von Anfang an wichtige Sicherheitsvorschriften im Umgang mit radioaktivem Material außer acht und setzte Tausende von Menschen der Gefahr durch Radioaktivität aus. Das Wasser des Flusses Tetscha (oder Techa) wurde zur Kühlung direkt durch den Reaktorkern geführt und hochkontaminiert in den Fluss zurückgeleitet. Die Tetscha ist eine Trinkwasserquelle für 120.000 Bewohner der Region. Dies und einige andere Umstände führten zu einer hohen radioaktiven Verschmutzung der ganzen Gegend.

29. September 1957: Der Kyschtym-Unfall

Die Rückstände der Aufbereitung enthalten einen hohen Anteil an radioaktiven Nukliden. Diese werden in großen Tanks zwischengelagert. Dabei entsteht durch den radioaktiven Zerfall der Stoffe Wärme – die Tanks müssen deshalb gekühlt werden. Nachdem im Laufe des Jahres 1956 die Kühlleitungen eines dieser 250 Kubikmeter fassenden Tanks undicht geworden waren und deshalb die Kühlung abgestellt wurde, begannen die Inhalte dieses Tanks zu trocknen. Am 29. September 1957 explodierten die auskristallisierten Nitratsalze, ausgelöst durch einen Funken eines internen Kontrollgeräts (also eine chemische, nicht eine nukleare Explosion), und große Mengen an radioaktiven Stoffen wurden freigesetzt – darunter langlebige Isotope wie Strontium-90, Cäsium-137 und Plutonium-239 (Halbwertszeiten 29, 30, bzw. 24110 Jahre). Die Explosion soll laut Zeugenberichten als leuchtender Schein noch hunderte Kilometer entfernt gesehen worden und in damaligen sowjetischen Zeitungen als Wetterleuchten beziehungsweise Nordlicht erklärt worden sein. Die durch die Explosion freigesetzte radioaktive Wolke zog von der Anlage etwa 400 Kilometer in nordöstliche Richtung. Insgesamt wurde durch den Unfall Materie mit einer Radioaktivität von Billiarden Becquerel über einen Bereich von etwa 20.000 Quadratkilometern verteilt.

25. Oktober 2007: erneute Wasserkontamination

Nach offiziellen russischen Angaben wurde am 25. Oktober 2007 aus der Wiederaufbereitungsanlage Majak erneut Radioaktivität freigesetzt, allerdings soll es weder Verletzte noch eine Beeinträchtigung für die Umwelt gegeben haben. Flüssiger radioaktiver Abfall sei aus einem Tank eine Straße über eine Distanz von 1,5 km entlang gelaufen. Als offizieller Grund wurde angegeben, dass Sicherheitsregeln nicht genügend umgesetzt worden seien. Die Erde entlang dieser Straße sei abgetragen und unterirdisch versiegelt worden.

(Quelle: Wikipedia)

Ein ZEIT-Artikel über Majak: http://www.zeit.de/2007/34/A-Atomkatastrophe?page=all

Ein Spiegel-Artikel, der sich sehr kritisch mit den angeblich stark überhöhten Opferzahlen der nuklearen Katastrophe von Majak auseinendersetzt: http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=54002273 – UPDATE: Eine Google-Suche nach “Matthias Schulz Spiegel” offenbart die Streitbarkeit des o.g. Autors. Ein kompletter gegenbericht findet sich z.B. hier.

One Response to “Majak – Russland, 1948-heute”

  1. Vom Aufstieg Russlands zur Atommacht Says:

    […] pulverisieren. All diese Dinge sind natürlich nicht mal eben ohne weitere Probleme entstanden, wie Majak und Tschernobyl erschreckend eindrucksvoll beweisen. Doch das ist natürlich noch längst nicht das […]

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