Lubmin bei Greifswald – 1975
Categories: Leseempfehlungen, Stufe 4 - Unfall
Written By: Stephan

7. Dezember 1975 – Ein Elektriker wollte seinem Lehrling zeigen, wie man elektrische Schaltkreise überbrückt. Dabei kam es zu einem Kurzschluss auf der Primärseite des Block-Trafos des Blocks 1, durch den entstehenden Lichtbogen brach ein Kabelbrand aus. Das Feuer im Hauptkabelkanal zerstörte die Stromversorgung und die Steuerleitungen von 5 Hauptkühlmittelpumpen (6 sind für einen Block in Betrieb). Das Feuer konnte jedoch durch die Betriebsfeuerwehr schnell unter Kontrolle gebracht und die Stromversorgung der Pumpen provisorisch wieder hergestellt werden, da sofort nach Auftreten des Brandes Gegenmaßnahmen ergriffen wurden und die Betriebsmannschaft zu jeder Zeit des Unfalls die richtigen Entscheidungen traf. Nach dieser Beinahe-Katastrophe wurden der Brandschutz innerhalb des Kraftwerks erheblich verstärkt und die „Räumliche Trennung“ bei sicherheitsrelevanten Einrichtungen eingeführt, was mehrere Wochen in Anspruch nahm; dabei erhielt jede Hauptkühlmittelpumpe ihre separate Stromversorgung. Der Fall wurde erst nach der Wende 1989 im Fernsehen publik gemacht. Durch sowjetische Stellen wurde bereits wenige Stunden nach dem Zwischenfall die IAEA informiert, die diesen Unfall in INES 4 einstuften. Der 10-%-Grenzwert der zulässigen Aktivitätsabgabe wurde nicht überschritten. Spätere Auswertungen der Vorgänge durch eine Regierungskommission und die Bestätigung der von der Kommission gezogenen Schlüsse durch die IAEA zeigen, dass eine erfahrene Betriebsmannschaft anlagenbedingte Schwachstellen (hier das fehlende Containment) ausgleichen kann. Dieser Unfall ist daher auch als Standard-Unfall-Szenario für WWER-440-Reaktoren in die Simulator-Schulung in Greifswald nach 1990 eingeflossen.
(Quelle: Wikipedia)





















March 20th, 2011 at 10:35
Dieser Unfall vor über 35 Jahren zeigte, dass auch in westlichen Kernkraftwerken die Reaktorkühlung ausfallen kann, ohne Erdbeben, ohne Tsunami.
Eine motivierte und gut ausgebildete Mannschaft ist offensichtlich ein grosser Vorteil.
Völlig richtig, dass die Sicherheit weiter verbessert wurde.
Unverständlich dagegen, dass auf ein Containment verzichtet wurde.
March 21st, 2011 at 1:20
Das ist nicht ganz richtig, wenn als Quelle Wikipedia angegeben wird. Dort steht:
“Durch sowjetische Stellen wurde bereits wenige Stunden nach dem Zwischenfall die IAEO informiert, die diesen Unfall zuerst in INES 4 einstuften, später in INES 3 (Vorläufer zu einem Unfall, hier einem „Station-Blackout“-Schmelzszenario) korrigierte.”
Daher ist auch die Einstuffung falsch.
July 1st, 2011 at 11:09
zu Markus Alder: was verstehen Sie unter “westlichen” Kernkraftwerken. Greifswald befindet sich auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, die bis 1990 dem Ostblock angehörte. Ich würde deshalb nicht von einem westlichen Kernkraftwerk sprechen.
Amüsiert haben mich Aussagen wie ” … und die Betriebsmannschaft zu jeder Zeit des Unfalls die richtigen Entscheidungen traf. “.
Das hört sich doch sehr nach DDR-SED-Sprech an.