Vom Aufstieg Russlands zur Atommacht

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Written By: Stephan
Vom Aufstieg Russlands zur Atommacht

Russland betreibt Kernkraftwerke und besitzt Atomwaffen. Viele Kernraftwerke und viele Atomwaffen. 10 Kernkraftwerke, die 31 Reaktorblöcke beherbergen und wahrscheinlich genug Atomwaffen, um die Erde nach einem Erst-, Zweit- und Drittschlag restlos zu pulverisieren. All diese Dinge sind natürlich nicht mal eben ohne weitere Probleme entstanden, wie Majak und Tschernobyl erschreckend eindrucksvoll beweisen. Doch das ist natürlich noch längst nicht das Ende der Fahnenstange. Spiegel Online berichtet heute über einen Uno-Report, der das Ausmaß der nuklearen Katastrophe in Zentralasien:

Ausgerechnet in zahlreichen Flusstälern des Berglands gibt es 92 Deponien, die Abraum von Uranerz und Uranschlämme enthalten. Es handelt sich dabei um radioaktive und hochgiftige Altlasten, die in Uranmühlen angefallen waren: Beim Zerkleinern des Erzes und bei der Herstellung von sogenanntem Yellowcake, dem gelblichen Pulver, das als Grundlage für die Weiterverarbeitung von Uran dient – bis hin zum Spaltmaterial in Atombomben.

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Die Ausmaße des Schadens sind enorm. 6500 Hektar – eine Fläche von mehr als 9000 Fußballfeldern – sind in dem Land radioaktiv kontaminiert. In den Deponien lagern 254 Millionen Kubikmeter Uranschlämme und Urangestein, das entspricht 475 Millionen Tonnen, meldet der Uno-Informationsdienst Irin.

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Die Rückstände wurden in Senken und Kuhlen gekippt und dann einfach mit Erde zugedeckt. Das Abfallgestein aber enthält erhöhte Konzentrationen von Radioisotopen und die Schlämme langlebige Zerfallsprodukte wie zum Beispiel Thorium und Radium – und aus den Deponien steigt Radongas auf, das der Wind weiterträgt. Schwermetalle und große Mengen von Arsen runden den makaberen Cocktail ab.

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Man ist hier von Bergflanken umgeben und von 23 Abraumhalden sowie 13 Lagerplätzen mit Uranschlämmen. Eine Studie des New Yorker Blacksmith-Instituts zählt Mailuu-Suu zu den meistverseuchten Gegenden der Welt. Radioökologen haben herausgefunden, dass die Menschen von Mailuu-Suu und den Tälern der Umgebung doppelt so oft an Krebsleiden erkranken wie ihre Landsleute im Rest Kirgisiens.

Aber weil all das natürlich noch lange nicht genügt, berichtet der Uno-Informationsdienst auch davon, dass die Bewohner das Gebiet langsam sogar wieder zu besiedeln beginnen – trotz Warnschildern mit der Aufschrift ‘Verbotene Zone’. Aber auch das reicht natürlich noch nicht: Die ganzen Halden liegen im Einzugsgebiet von einem der größten Ströme Asiens, dem Syr Darja. Und weil Kirgisien gerade wirtschaftlich total fit ist, um sich um ein solches Erbe zu kümmern, werden die Deponien langsam aber sicher unterspült und drohen, in den Strom zu lecken. Wenn das passiert, betrifft das knapp 3 Mio Menschen in der Region. Die Weltbank versenkt da jetzt Milliarden, um die Deponien abzusichern und es wird sogar überlegt, den kompletten Flusslauf zu verändern, damit man das Risiko zumindest minimieren kann. Na dann…

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