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Reaktorneubau in Weißrussland?

Reaktorneubau in Weißrussland?

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Written By: Stephan
Reaktorneubau in Weißrussland?

Kaum eine Region der Erde musste so schmerzhaft über Atomkraft lernen wie Weißrussland. Die Katastrophe von Tschernobyl trieb den radioaktiven Fallout direkt in die Region. Nun plant WEißrusslands Präsident Lukaschenko einen AKW-Neubau in seinem Land. Deutschlandfunk berichtete dazu gestern mit einem sehr tief recherchierten Hintergrund-Special. Hier einige lesenswerte Ausschnitte:

Ein alter Imker erzählte mir (später hörte ich ähnliches auch von anderen):” Ich komme am Morgen in den Garten, und irgendwas fehlt, ein vertrautes Geräusch. Keine einzige Biene … Keine einzige Biene war zu hören! Keine einzige! Was war das? Was war los? Auch am nächsten Tag flogen sie nicht aus. Und am übernächsten. Hinterher erfuhren wir von der Havarie im Atomkraftwerk, und das ist ganz in der Nähe. Aber lange wussten wir nichts. Die Bienen wussten Bescheid, aber wir nicht. Jetzt werde ich immer nach Ihnen richten”. Noch ein Beispiel: Ich sprach mit Anglern, die an einem Fluss saßen. “Wir warteten darauf, dass man uns im Fernsehen etwas erklärte … … .. Uns sagte, wie man sich schützen kann. Aber die Regenwürmer … .. Einfache Regenwürmer! Die verkrochen sich tief in der Erde, einen halben oder einen ganzen Meter tief. Wir kapierten natürlich nicht. Wir buddelten und buddelten. Wir fanden keinen einzigen Regenwurm zum Angeln.”

Als am 26. April 1986 der Reaktorblock IV in Tschernobyl außer Kontrolle geriet, kam es zur Kernschmelze. Die freigesetzte Radioaktivität war 400 Mal größer, als die Explosionen von Hiroshima und Nagasaki zusammen. Die radioaktive Wolke zog nach Norden, etwa zwei Drittel des Fallout gingen in Weißrussland nieder. Doch die Menschen dort erfuhren erst einmal nichts davon. Noch Tage später, am 1. Mai, ließ man sie überall im Land zu den traditionellen Aufmärschen antreten, im Süden von Belarus marschierten die Menschen über verstrahlte Straßen.

Nach der Katastrophe wurden Hunderttausende – Soldaten und Milizangehörige – zu Aufräumarbeiten nach Tschernobyl geschafft. Arbeiteten zum Teil direkt am havarierten Block IV und setzten sich dabei ungeheuren Strahlendosen aus: Liquidatoren – so werden diese Menschen noch heute genannt. Viele von ihnen sind gestorben, und die Überlebenden kämpfen mit den Spätfolgen. Und um die Unterstützung, die ihnen der Staat damals versprochen hatte.

[...]

Wir haben mit den meisten europäischen und russischen AKW-Herstellern gesprochen. Und am Ende eines jeden Treffens stellten wir die Frage: Wieviel wird es denn kosten? Und in allen Fällen hörten wir: “Oh, das hängt von vielen Dingen ab.” Am Ende habe ich selbst nach Daten gesucht. In der Fachzeitschrift “World Nuclear News-Letter”.

Mikhalevich nimmt die Lesebrille ab, dreht sie zwischen den Händen. Nein, genau will er sich lieber nicht festlegen. Eines aber hat er seiner Regierung geraten: Bei den Preisverhandlungen ordentlich zu pokern. Die Russen gegen die Europäer auszuspielen. Und auf jeden Fall auf einen Tschernobylbonus zu achten:

Warum nicht? Die Reaktorproduzenten müssen sich darum bewerben, hier bauen zu dürfen. Denn in der öffentlichen Meinung, weltweit, muss das Atomkraftwerk, das hier gebaut wird, das sicherste sein. Darum hat Weißrussland eine Schlüsselfunktion, der Reaktorbau hier ist eine gute Reklame. Die Weißrussen sind sehr sensibel gegenüber dem Strahlungsthema. Ein Viertel der Bevölkerung lebt in einer belasteten Region.

Mikhalevich weiß, dass das Vertrauen in die Wissenschaftler seit Tschernobyl erschüttert ist. Predigten die doch erst die Segnungen und die Sicherheit der Atomkraft und verschwiegen dann lange die Folgen. Darum setzt der Physiker jetzt auf einen Neuanfang, auf Überzeugungsarbeit, bei den Allerjüngsten.

Ich schreibe gerade ein Buch für Kinder über Atomenergie. Zusammen mit einem litauischen Autor. Wir schreiben dieses Buch für Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren. Das ist ein sehr schön illustriertes Buch.

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