AKW Fessenheim: radioaktives Gas ausgetreten
Categories: Stufe unbekannt
Written By: Stephan

Ich zitiere an dieser Stelle einmal die Pressemitteilung des BUND zum Vorfall, da sich bisher noch keinen anderen belastbaren Quellen finden lassen:
Bei einem Störfall am 24. August 2010 im französischen AKW Fessenheim wurden wieder einmal 50 Kubikmeter radioaktiver Gase “freigesetzt” wie die staatliche ASN (Autorité de Sûreté Nucléaire) auf ihrer Homepage meldet. Die Meldung der ASN ist vom 30 August 2010. Es ist erschreckend, dass diese Meldung bisher in Deutschland nicht “angekommen” ist. Waren das Regierungspräsidium und die deutschen Medien informiert?
(Nachtrag: Das Freiburger RP war zwar informiert, hat die Meldung aber nicht weitergegeben. So eine Meldung passt einfach nicht in eine Zeit in der die vorgesetzte Landesregierung für die Gefahrzeitverlängerung von AKW trommelt.)
Es ist uns nicht klar, was der folgende Satz der ASN Erklärung bedeutet: “Die Zerfallsaktivität der radioaktiven Abgase aus dem Reservoir wurde vor dem Entweichen nicht gemessen.” Wenn dies bedeutet, dass die Radioaktivität unkontrolliert von allen Messgeräten entwich, dann wäre das noch ein Skandal und eine gezielte Verschleierung der Dimension des Unfalls. Die zentrale und absolut wichtige Angabe zur Menge und „Qualität“ der ausgetreten Radioaktivität fehlt erstaunlicherweise in der Meldung. Dies kann auch eine großräumige Belastung oder einen überschaubaren Unfall bedeuten. Die Auswertung und Bewertung des Unfalls lag später beim Betreiber EDF… Das natürliche Interesse der EDF an einer „objektiven Bewertung“ solcher Unfälle kennen wir. Selbst wenn die ausgetretene Radioaktivität möglicherweise unter den skandalös hohen Grenzwerten liegt, kann doch jede zusätzliche Strahlung Krebs auslösen. Die Meldung zeigt auch wieder einmal, wie im so genannten Normalbetrieb Radioaktivität gezielt abgegeben wird. „Wie bei allen kerntechnischen Anlagen, produzieren die Reaktoren in Fessenheim radioaktive Abfall-Gase, die in Behältern gelagert werden, um ihren Zerfall zu kontrollieren, bevor sie in die Atmosphäre ausgeleitet werden.“
Aus einer Studie,
die das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) im Dezember 2007 veröffentlichte, geht hervor, dass die Häufigkeit von Krebserkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren mit der Nähe zum Reaktorstandort deutlich zunimmt. Die Studie mit Daten von über 6.000 Kindern liefert die bislang deutlichsten Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko bei Kindern in der Nähe von Kernkraftwerken. Das Risiko ist demnach im 5-km-Radius für Kinder unter fünf Jahren um 60 Prozent erhöht, das Leukämierisiko um etwa 120 Prozent. Im Umkreis von fünf Kilometern um die Reaktoren wurde für den Zeitraum von 1980 bis 2003 ermittelt, dass 77 Kinder an Krebs erkrankten, davon 37 Kinder an Leukämie.
In der Werbung der Atomkonzerne
werden Atomkraftwerke häufig als “abgasfrei” bezeichnet. Doch Atomkraftwerke geben auch im so genannten Normalbetrieb über den Kamin, das Maschinenhaus und das Abwasser radioaktive Stoffe an die Umwelt ab. Jede noch so geringe radioaktive Strahlung kann Krebs auslösen.
Der akute Vorfall bestätigt die Sorgen der Öffentlichkeit vor den Risiken des altersschwachen AKW Fessenheim und gefahrzeitverlängerter Atomkraftwerke.
Die neue Fessenheimer Polizeitruppe konnte (wie zu erwarten war) die Öffentlichkeit auch nicht vor der radioaktiven Gefahr schützen.
Axel Mayer / BUND-Geschäftsführer





















